Taiwan Fun or: Things I haven’t learned yet (II)

February 1, 2011

(This time in German)

Strandszene in Kenting.

Wir haben uns einen Schirm gemietet, reißen uns die Klamotten vom Leib und sprinten ins Wasser – perfekte Badetemperatur! Nachdem genug gebadet wurde, wird sich auf die Badetücher drapiert und in der Sonne getrocknet und an der Bräune gearbeitet. Schließlich war der ganze Urlaub für nichts, wenn nach der Rückkehr nicht eine angebrachte Menge an Freunden und Bekannten das erholte und attraktivierte Erscheinungsbild bemerkt. Und dazu gehört natürlich eine anständige Hautfarbe.

Dass die Asiaten da noch nicht auf dem neuesten Stand sind und noch immer an der antiquierten Sichtweise festhalten, braun seien nur die Bauern, führt ja schon zu merkwürdigen Produkten wie ‘Weißmachercreme’ usw. Diese Weißmach-Substanzen sind in Körperpflegeprodukten in der Tat so verbreitet, dass man da als sonnenbefürwortender Kaukasier schon ganz schön aufpassen muss, nicht versehentlich zum falschen Produkt zu greifen, was für die mühsam herangezüchtete Goldbräune fatal wäre. Dass sich daher unsere soeben in großer Gruppe eingetroffenen taiwanischen Strandgenossen im Gegensatz zu uns nicht in die Sonne legen, lässt sich also erklären.

Schon schwieriger ist die Beantwortung der Frage nach dem Wasser. Die der westlichen Bevölkerung schon in die Wiege gelegte Begeisterung für Spaß im Nass, scheint bei den Taiwanern nicht im selben Maße verwurzelt zu sein. Nur ein Bruchteil der immer zahlreicheren Strandbesucher macht Anstalten das Wasser auch tatsächlich zu betreten. Abgesehen von den mehr halbherzigen Badeversuchen, wird gehüpft, posiert, drapiert, frisiert und fotografiert.

Überhaupt das Wasser und die Taiwaner. Die Nichtschwimmerrate in TW scheint Befragungen von Freunden und Freunden von Freunden nach exorbitant hoch zu sein. Kinder lernen (wenn überhaupt) erst mit 10 Jahren schwimmen. Diese Angst vor dem Wasser macht auch nicht Halt vor dem gerade mal knietiefem Babybecken im Taipei Wasserpark. 7-jährige Kinder mit Schwimmwesten sind hier kein seltener Anblick. Meine Chinesischlehrerin kommentiert das auf mein Nachfragen hin nur lapidar mit dem Hinweis auf die jahrzehntelange und immer noch bestehende Bedrohung vom Festland. Das hätte die Taiwaner so fern vom Wasser gehalten wie möglich. Inwiefern das nun auch erklärt, weshalb man nun im schönen Sonne-Mond-See, dessen Lage in Taiwan als eher mittig bezeichnet werden darf, nicht baden darf, sei dahingestellt. Vielleicht ist da das Bedrohungsgefühl durch die in die Berge verdrängten Ureinwohner der Grund.

Aber zurück zu den Fotos. Es lässt sich eine bemerkenswerte Fotoausstattung bei den Spaßfotografen beobachten. Was sich ebenfalls bemerkenswert beobachten lässt, ist die Ausdauer und Energie, mit dem einen ganzen Nachmittag pausenlos posiert und fotografiert wird.

Als kunstbeflissener und ästhetikbegeisterter Europäer möchte man mit seiner hochpreisigen Kamera selbstverständlich unvergessliche Momente festhalten. Die Taiwaner scheinen kurzerhand diese Beziehung zwischen Apparat und Situation umzudrehen. Sie sind vielmehr mit der Erschaffung von Momenten für die Kamera beschäftigt, als umgekehrt dem geeigneten Motiv zu harren. Also Spaß zu haben um den Spaß zu dokumentieren.

Das funktioniert natürlich nicht nur am Meer. Fotos beim Weggehen, bei Ausflügen, beim Essengehen, bei jeder Gelegenheit, bei der der Spaß (und freilich das Essen) dringlichst für die Nachwelt festgehalten werden muss, es könnte sonst ja wer den zweifellos gehabten Spaß anzweifeln. Oder noch schlimmer: Anzweifeln, dass man den Spaß auch noch wahnsinnig gut aussehend gehabt hat.

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